zum Hauptinhalt
News

Schweizer Aluminiumindustrie behauptet sich innovativ

Die Schweizer Aluminiumindustrie blickt auf ein zufriedenstellendes Jahresergebnis 2022, das Resultat wird jedoch durch bestimmte Faktoren beeinflusst.

Die Teuerungen auf den Rohstoff- und Energiemärkten sind eine erhebliche Bedrohung für die Existenz der Schweizer Aluminium-Industrie.

So beeinträchtigten die massiven Zusatzkosten für Material- und Energiebedarf das Ergebnis. Insgesamt schlossen die Schweizer Press- und Walzwerke mit einem leichten Absatzminus von 2 % gegenüber dem sehr guten Vorjahr ab. Das laufende Jahr stellt die Branche wiederum auf eine herausfordernde Bewährungsprobe. 

Neugeschäfte in allen Anwendermärkten

„Die anhaltend hohe Investitions- und Innovationskraft, Qualität und Lieferzuverlässigkeit der Schweizer aluminiumverarbeitenden Unternehmen zahlten sich auch 2022 aus“, so der Aluminium-Verband Schweiz alu.ch in einer Mitteilung. In allen Anwendermärkten konnten Neugeschäfte erzielt werden  –  trotz der weltweit schwierigen Rahmenbedingungen. „Insgesamt verringerten sich jedoch die abgelieferten Tonnagen der Schweizer Walz- und Presswerke von 224´.200 t im 2021 auf 219.700 t im zurückliegenden Jahr, was einem leichten Einbruch von 2 % gegenüber dem hervorragenden Vorjahrsergebnis entspricht“, erläutert Marcel Menet, Geschäftsführer des alu.ch. 

Stabile Auftragslage

So erfuhren beispielsweise die Schweizer Aluminium-Fenster- und -Fassadenbauer in den ersten neun Monaten einen regelrechten Boom aus dem gesamten Bauwesen. Auch die Nachfrage aus dem Maschinenbau und der Elektrotechnik zeigte sich erfreulich. Die größten Zuwachsraten erfuhr die Schweizer Aluminiumindustrie erneut aus dem Transportwesen. Der erhöhte Bedarf an Mobilität im Nah- und Regionalverkehr sorgte für stabil wachsende Aufträge aus der Schienen- und Nutzfahrzeugindustrie. Der Trend hält auch im laufenden Jahr an. Schwierig gestaltete sich dagegen im letzten Jahr die Auftragslage im Automobilbereich. In diesem sehr wichtigen Absatzmarkt für die Schweizer Aluminiumindustrie verhielten sich die Bestelleingänge vor allem in der ersten Jahreshälfte stark schwankend infolge eingeschränkter Produktionsprogramme bei den Fahrzeugherstellern durch Lieferengpässe. Die Situation stabilisierte sich jedoch ab der zweiten Jahreshälfte, als sich vorrangig dort die Versorgung mit Halbleitern wieder erholte.

In nahezu allen 56 Mitgliedsunternehmen des alu.ch wird auch aktuell im Drei- bis Vier-Schicht-Betrieb produziert. Dem Fachkräftemangel begegnet die Branche mit grossen Engagements in die Nachwuchsförderung und mit Weiterbildungsprogrammen.

Konjunkturelle Abkühlung 

Trotz der überwiegend guten Produktionsauslastungen sind die weiteren Aussichten für das laufende Jahr getrübt. Gemäß einer Umfrage unter den Verbandsvorständen des alu.ch ist in allen Anwendermärkten eine konjunkturelle Abkühlung spürbar. Mit ein Grund dafür seien die hohen Lagerbestände und der geringe Bedarf auf Kundenseite. So hat sich etwa die große Nachfrage aus dem Maschinenbau wieder beruhigt. Auch im Bauwesen werden teilweise Projekte verschoben oder sistiert. Insbesondere Privatleute sind aus Kostengründen zurückhaltender, Neu- oder Umbauten zu tätigen. „Aktuell gehen wir davon aus, dass sich diese Situation in unseren wichtigen Anwendermärkten frühestens wieder im zweiten Halbjahr 2023 verbessern wird“, erklärt Verbandspräsident Roland Hörzer. 

Dafür sieht die Auftragslage im Automobilbereich wieder sehr gut aus. Dabei erweist sich die Elektro-Mobilität als grösster Wachstumstreiber. Anspruchsvolle Strukturgussbauteile sowie Aggregate und Batteriebauteile in Aluminium-Blechschalenbauweise „Made in Switzerland“ sind hochgefragt. 

Herstellungskosten steigen massiv

Eine Herausforderung stellen die massiv höheren Herstellungskosten dar. Die aluminiumverarbeitenden Unternehmen investieren, wie die gesamte energieintensive Industrie in der Schweiz, laufend hohe Summen in die Sicherung der Strom- und Erdgasversorgung. „In diesem Kontext war eines unserer Mitglieder nun sogar gezwungen, Kurzarbeit einzuführen“, schildert Verbandsgeschäftsführer Menet. „Die Existenz unserer Branche mit über 8.000 Beschäftigten hängt vom Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit ab, welche aufgrund der Stützungsmassnahmen im EU-Raum heute oft nicht mehr gegeben ist. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit den wirtschaftspolitischen Gremien an möglichen Lösungen für unsere Industrie“.

Passend zu diesem Artikel